Ernte 2021

© Ernte 2021

© Ernte 2021

Eine der umfangreichsten Produktionsprozesse ist im August / September zu Ende gegangen: die Ernte. Der Mais und Rüben sind jetzt noch dran.

Ernte – die zählt zu den größten Produktionsprozessen in Deutschland. Zehntausende Landwirte bringen die Ernte ein. In Tag- und Nachtschichten fahren Hightech-Mähdrescher über die Äcker, mähen das Getreide, dreschen im selben Arbeitsgang die Körner aus den Ähren und legen das Stroh auf dem Boden ab. Teilweise während des Fahrens über den Acker entladen die gigantischen Ungetüme die Körner aus ihren Tanks in Anhänger, Traktoren fahren sie in Getreidelager, während andere mit Ballenpressen das Stroh aufnehmen und in handliche Strohballen zusammenpressen, fest verbinden und auswerfen. Schließlich müssen die Strohballen auf dem Feld eingesammelt und auf große Anhänger verladen und in die Scheune gefahren werden.

Ein immenser Aufwand, vor allem, da die vielen Arbeiten wie Dreschen, Pressen, Schwaden, nahezu gleichzeitig ablaufen. Es sind viele Lohn- und Fuhrunternehmer mit ihren teilweise sündhaft teuren Hightech-Maschinen beteiligt.

Es ist ein beeindruckendes Unternehmen, das zeitlich präzise abgesprochen abläuft. Ohne Flexibilität würde es scheitern, der alles bestimmende Faktor ist das Wetter. Vor dem nächsten Regen muss die Ernte eingebracht werden, das setzt hohe Schlagkraft voraus, dass viele Geräte und Maschinen gleichzeitig zur Verfügung stehen.

Bei einem geplatzten Reifen eines Mähdreschers muss sofort der Landmaschinenmechaniker mit einem Reservereifen zur Stelle sein. Die 500 kg schweren Räder sind empfindlicher, als es ihre Größe vermuten lässt. Ohne Mobiltelefone und die schnelle Kommunikation wäre ein solcher Ernteprozess nicht möglich.

Langsam zeichnen sich die Ergebnisse ab: Die Getreideernte wird in diesem Jahr voraussichtlich deutlich schlechter ausfallen als in den vergangenen Jahren. Es war hierzulande lange zu feucht, sodass die Äcker nicht befahren werden konnten.

Die Qualität des Brotgetreides ist nach Angaben des Mühlenverbandes sehr unterschiedlich. Im Mai und Juni setzten hohe Regenmengen dem Getreide zu, feuchte Böden trugen zu Krankheiten am Fuß des Getreides bei, »Schwarzbeinigkeit« genannt. 

Auch hat der Regen gegen Ende der Reifeperiode an vielen Standorten dafür gesorgt, dass Getreide vielfach von Pilzen befallen wurde.

Der Anteil an sogenannten Schmachtkörnern ist hoch, das sind jene Körner, die sich nicht mehr richtig ausbilden konnten, weil die Sonne fehlte. Das bedeutet, dass die Mühlen vielfach mehr Getreide gemahlen werden, um dieselbe Menge Mehl herzustellen. Das treibt ebenfalls die Preise nach oben. 

Auch die drastisch gestiegenen Energiekosten treiben nach Auskunft von Fachleuten kräftig die Preise nach oben. Diesel und Strom sind in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern zu hoch.

Um drei Prozent stieg die Anbaufläche von Winterweizen in diesem Jahr an, mit 47 Prozent Anteil bleibt Weizen die wichtigste Getreideart. Hohe Preise derzeit tragen dazu bei, dass auch im kommenden Jahr mehr Weizen angebaut wird.

Im sogenannten »Bioanbau« war die Ernte angespannt. Auch hier förderte die Nässe Pilzkrankheiten und das rasante Wachstum von Unkraut. Doch Biobauern dürfen weder Pilzbekämpfungsmittel noch Herbizide einsetzen und können der Unkrautplage kaum mehr Herr werden. Der Unkrautdruck ist so hoch, dass sich bei ihnen die Ernte vielfach nicht mehr lohnt. Sie bleibt vielfach auf den Feldern. Von großen Problemen wird im Kartoffel- und Weinanbau aufgrund von Pilzkrankheiten berichtet. Die gut verdienenden Städter werden die steigenden Preise in den Bioläden verkraften können. 

https://www.proplanta.de/agrar-nachrichten/pflanze/nur-unterdurchschnittliche-getreidernte-in-baden-wuerttemberg-2021_article1629959741.html

Für viele wichtige Anbauländer sind jetzt die ursprünglich besseren Ernteprognosen gesenkt worden. Russland dürfte deutlich weniger Weizen ernten als erwartet. 

https://www.agrarheute.com/markt/marktfruechte/weizenpreise-klettern-wegen-wachsender-sorgen-um-getreideernte-584018

Die Preise für Hartweizen, aus dem Nudeln hergestellt werden, haben sich in wenigen Wochen fast verdoppelt.

Auf den Weltmärkten schockte Kanada. Das Land hat eine katastrophale Missernte eingebracht, die Farmer erwarten die schlechteste Getreideernte seit 14 Jahren, denn die extreme Hitzewelle in Nordamerika hat in Kanada und dem Nordwesten der USA die Böden ausdörren lassen.

https://www.agrarheute.com/markt/marktfruechte/katastrophale-getreideernte-kanada-schock-fuer-getreidemaerkte-584915

Ein Drittel weniger Weizen aus Kanada hat Auswirkungen auf die weltweit verfügbaren Weizenmengen. Die Welternährungsorganisation FAO erwartet für Weizen um 8,8 Prozent steigende Preise. 

In Deutschland beginnt sich die neue Düngeverordnung auszuwirken. Nach der müssen Betriebe, die in sogenannten »roten Flächen« liegen, ihre Düngemengen vermindern. Das bedeutet, dass die Pflanzen unterernährt werden und nicht mehr gut wachsen. Vor allem der Anbau von qualitativ hochwertigem Brotweizen 

»Betriebe mit roten Flächen haben durch die Kürzung der Düngung um 20 Prozent des Düngebedarfs gravierende Einschränkungen in der Düngung, dadurch wird sich der Ackerbau verändern, so ist der Anbau von Qualitätsweizen kaum mehr möglich«, so schätzt Stefan Sedlmayer, Präsident der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, die Lage ein.

»Betriebe mit einem Einsatz von organischem Dünger haben durch die höhere Anrechnung der organischen Düngung große Schwierigkeiten, eine optimale Pflanzenernährung mit hohen Erträgen und Qualitäten zu gewährleisten. Eine Veränderung des Ackerbaus ist sehr wahrscheinlich, unter anderem werden der Einsatz und die Aufnahme von organischem Dünger aus tierhaltenden Betrieben unattraktiver.«

https://www.vgms.de/presse-service/presseinformationen/pressemeldung/news/nachgefragt-bei-stephan-sedlmayer-praesident-der-lfl-zu-nachhaltigkeit-duengeverordnung-und-brot-im/

Der verheerende Effekt wird sich in den kommenden Jahren verstärken. Der Ertrag der wichtigsten Getreidesorte wird sinken. 

Kritisch wird es in den sogenannten roten Gebieten. Der Landwirt kann nicht mehr nach dem düngen, was auf dem jeweiligen Acker notwendig wäre. Bisher orientierte er sich auch an sogenannten Zeigerpflanzen. Jetzt gibt die Behörde vor, was er machen darf, nicht was notwendig ist. 

Die Tendenz ist klar: Ein bis einhalb Tonnen weniger Ertrag pro Hektar in bestimmten Situationen. Bisher lässt sich das noch nicht verallgemeinern. Erst in den kommenden Jahren wird sich der Effekt jedes Jahr verstärken. 

So fehlt ab jetzt die Herbstdüngung bei Zwischenfrüchten wie Ölrettich, Raps und Senf. Die hat der Landwirt ausgesät, die binden Stickstoff, ein gewollter Effekt. Doch die muss der Landwirt andüngen, damit die Pflanzen Wurzeln bilden können. Wenn nicht gedüngt wird, kann er sich die Zwischenfrucht ersparen. 

Folge: eine Verschlechterung der Kulturböden in Deutschland.

Ein Effekt droht, wenn die Schweinehaltung zurückgeht und weniger Weizen als Futtergetreide benötigt wird. Denn die überschüssigen Mengen an Weizen, die nicht als Brotweizen verkauft werden können, werden als Futtergetreide verwendet und bringen dem Bauern ebenfalls Geld. Ohne diesen Anteil müsste er die Preise anheben und den Weizen teurer verkaufen. So sorgt also die Verfütterung an Tiere dafür, dass Brot und Nudeln günstig sind. 

Volle Brotkörbe und gefüllte Getreidespeicher fallen nicht vom Himmel, sondern müssen hart erarbeitet werden. Witterungsunbilden, Schädlinge und Pilz, Bakterien und Virenerreger setzen den Pflanzen zu, auf dem Acker herrscht ein Verdrängungswettbewerb der Nutzpflanzen und Unkräuter um den besten Lichtanteil. In Deutschland setzt die Politik alles daran, eine hochentwickelte Landwirtschaft und von vielen Generationen mühsam aufgebauten Kulturböden zu ruinieren. 

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.