Kann man bald deutsche Autos nur noch im Museum besichtigen oder – wie hier – einen alten Mercedes-SSK auf Oldtimer-Veranstaltungen?
In der Realität scheinen mehr und mehr chinesische und andere asiatische Autohersteller das Bild zu bestimmen. China ist drauf und dran, die Zukunft der Automobilindustrie zu dominieren. Diesen Eindruck vermittelte die Internationale Automobilausstellung IAA – oder das, was von der einstigen Glanzschau deutscher Automobilkunst übrig geblieben ist. In München gelang den chinesischen Herstellern mit ihren Produkten ein eindrucksvoller Auftritt. Es sind keine halbgaren Autos mehr, sondern ausgereifte Produkte, die in China längst die deutschen Hersteller in die Ecke gedrängt haben.
Statt stolzer Limousinen, leistungsstarker Motoren und innovativer Technik dominieren auf deutschen Ständen Lastenräder, E-Bikes und sogenannte „Mikromobilitätslösungen“, die den Verkehr von morgen angeblich prägen werden. Viele große Hersteller waren nur reduziert vertreten, manche blieben ganz fern.
Statt glamouröser Auto-Shows und PS-Premieren dominiert die Debatte über das geplante Verbrenner-Aus ab 2035 und die Abhängigkeit Europas von Batterien und Rohstoffen aus China. Es gebe keine Alternative zu Null-Emissionen, spricht wagemutig Mercedes-Chef Källenius. Die europäische Autoindustrie werde bis 2030 mehr als 250 Milliarden Euro in die sogenannte Elektromobilität investieren, so Källenius in seinem Kotau vor grüner Politik.
Von den Herstellern ist praktisch kein Wort der Kritik an dem weltweit einzigartigen Autoverbot zu hören. Branchenvertreter dagegen warnen vor dem Verlust hunderttausender Arbeitsplätze und fordern von Brüssel eine Korrektur des Verbrennerverbotes ab 2035.
Die Industrie präsentiert stattdessen überwiegend ihre neuesten Elektro-Auto-Kreationen, gelegentlich ein neues Verbrennermodell. Audi, BMW und Mercedes präsentieren E-Autos, als ob die Kunden sie ihnen aus den Händen reißt. Das Gegenteil ist der Fall: Die kauft aber kaum jemand. Immer noch sind Neuzulassungen zu 80 Prozent Verbrenner und 20 Prozent E-Autos – bei den ausgestellten Autos auf der IAA ist es umgekehrt. Die Hersteller preisen ihre Ladenhüter von morgen an, keine Rede von Volkswagen, die nicht wissen, wohin mit ihren nicht verkauften E-Autos, die das voll auf die Produktion von E-Autos umgebaut Werk ununterbrochen ausspuckt.
Volkswagen stellt mit dem ID.Polo und dem Schwestermodell ID.Cross Elektro-Kleinwagen vor, die bezahlbar sein sollen. BMW zeigt mit dem iX3 das erste Serienfahrzeug der Elektroplattform „Neue Klasse“ und Mercedes zeigt einen Elektro-SUV, der auf der neuen Plattform „MB.EA“ aufsetzt.
Die Aufbruchstimmung sei hoch, treten die Hersteller auf – zum wievielten Mal eigentlich, seitdem Merkel auf der IAA 2013 die Parole ausgegeben hat: Im Jahre 2020 sollten eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen fahren – um sie dann wieder 2017 zu kassieren. Trotz Kaufanreizen lief kaum etwas. Eine „Nationale Plattform Elektromobilität“ sollte dem „Markthochlauf“ dienen, als ob sich ein Markt wie mit dem Dreh am Transformator einer Spielzeugeisenbahn hochregeln ließe. Deutschland müsse Leitmarkt und Leitanbieter für Elektromobilität werden hieß großfressig. Daß man dafür unter anderem Rohstoffe, Strom, Leitungen und eine Infrastruktur benötigt, ging keinem der fürstlich bezahlten Staatenlenker auf. Stattdessen wurden reihenweise Kraftwerke gesprengt.
Was aus diesen entsetzlich vollmundigen Sprüchen geworden ist, sieht man in München. So viele chinesische Hersteller wie noch nie stellen aus: 116 Aussteller von rund 748, von denen 57 Prozent aus dem Ausland kommen.
Herstellerriesen wie BYD zeigen ihre neue E-Autos und Hybridautos; sie beschäftigen sich also weiter mit Verbrennermotoren und entwickeln auch neue Verbrennermodelle. Sie zeigen gleichzeitig das schnelle Laden im Megawattbereich, mit dem eine Batterie schneller aufgeladen sein soll. (Wie oft die das verträgt, ist offen.) In China möglich, wo im Wochentakt neue Kraftwerke in Betrieb genommen werden, in Deutschland gibt es weder genügend Strom noch die notwendigen Leitungen und Verteilnetze. Ein in 130 Jahren aufgebautes Stromnetz baut man nicht – zackzack – einfach um. Das geht nur in China, dort gibt es Fachleute in der Verwaltung – wie haben Dorothee Bär & Co.
Die IAA findet auch in München selbst statt, nicht nur auf dem Messegelände. Wobei das grün regierte München alles tut, Autos aus dem Stadtgebiet herauszuscheuchen. Das Wort Klima dürfte wesentlich häufiger auftauchen als PS.
Ginge es nach der Stadt München, wäre es eigentlich eher eine Messe für Lastenfahrräder.
So dürften in dieser Woche freudestrahlende Gesichter auf den Ständen der Chinesen vorherrschen, düstere Mienen bei den Deutschen. Kein Wunder: Porsche stürzt mit 91 Prozent Gewinneinbruch aus dem DAX, Mercedes halbiert seine Gewinne, Volkswagen kämpft mit Absatzproblemen und Zulieferer schließen reihenweise ihre Tore.
Offiziell soll das „Verbrenner-Aus“ ab 2035 den Planeten retten. Die Begründung: CO₂ sei „klimaschädlich“. Dabei ist Kohlendioxid ein lebensnotwendiges Spurengas, Grundlage jedes Pflanzenwachstums, von Natur aus seit Jahrmillionen in ständiger Bewegung zwischen Atmosphäre, Ozeanen und Biosphäre. Dass es plötzlich zum „Klimakiller“ erklärt wurde, war ein politischer Akt – keine wissenschaftliche Entdeckung. Wer daran zweifelt, wird diffamiert.
Die Wahrheit: Moderne Verbrenner sind effizienter, sparsamer und sauberer als je zuvor. Das Problem Stickoxide und Feinstaub ist technisch längst beherrschbar. Doch das interessiert Brüssel nicht. Dort gilt nur: CO₂ = schlecht. Wer Öl oder Benzin verbrennt, soll verdammt und bestraft werden.
Während Europa sich mit ideologischen Fesseln knebelt, verfolgt China eine nüchterne industriepolitische Strategie. Strom ist billig, Fabriken sind automatisiert, Subventionen fördern Wettbewerb – nicht Verbote. Plug-in-Hybride, Wasserstoff, Elektro: alles nebeneinander, solange es funktioniert und Kunden überzeugt. Tesla wurde ausdrücklich ins Land eingeladen und bekommt dieselben Subventionen wie chinesische Hersteller.
In China kaufen die Menschen E-Autos, weil sie günstig, innovativ und praktisch sind – eher weniger, weil sie müssen. In den Staus der Megacitys werden sie als rollende Büros und Wohnzimmer mit Unterhaltungstechnik geschätzt. In Europa dagegen soll der Verbraucher durch Regulierung, Strafsteuern und Fahrverbote gezwungen werden, auf Produkte umzusteigen, die er nicht will.
Deutschland verzichtet auf seine größte industrielle Stärke, um eine Erzählung zu bedienen. Der „Green Deal“ ist das ideologische Dach, das Ursula von der Leyen 2019 über Europa spannte. NGOs, finanziert aus EU-Töpfen, trommeln seit Jahren unermüdlich: „Klimakatastrophe“, „letzte Chance zur Rettung der Welt“. Dass die EU mit ihrem minimalen Anteil an den weltweiten Emissionen keinen messbaren Einfluss auf das Weltklima hat, wird verschwiegen.
Ganze Industrien werden so geopfert – im Namen einer Ideologie. Milliarden an Subventionen fließen in die Elektromobilität. Wer kauft, profitiert von Prämien, wer nicht kauft, wird bestraft. Ergebnis: künstliche Märkte, Abhängigkeit von China, Verfall der eigenen Wertschöpfung. Deutschland ist offensichtlich auf dem Weg nach Detroit: Einst als „Motor City“ prosperierendes Zentrum der Weltindustrie. Dann kamen Selbstzufriedenheit, falsche Modelle, starre Strukturen. Detroit – Symbol des Niedergangs. Ganze Viertel verfallen, die Stadt meldete 2013 die größte kommunale Pleite der US-Geschichte an.
Die deutsche Autoindustrie steht vor dem Abgrund – nicht, weil ihre Technik schlecht wäre, sondern weil Politik und EU-Ideologen sie bewusst dorthin treiben. Das Märchen vom „Klimakiller CO₂“ begründet eine Politik, die Produkte verbietet, statt auf konkurrierende Weiterentwicklung zu setzen. Was gut und preislich attraktiv ist, wird gekauft.
China, Indien, die USA – sie bleiben technologieoffen. Eine grüne EU macht seit Jahren Europa zum Sanierungsfall. Wird nicht schnell gegengesteuert, wird aus dem Autoerfinderland ein zweites Detroit – eine Industriewüste, in der grüne Hardcore-Ideologen ihre Schlüsselindustrie selbst zerstört haben.

