Potsdam rechnet falsch – die Bäume erzählen es richtig

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Jahresringe gegen Alarmismus – 3000 Jahre Klima, wie es wirklich war

Das war eine heftige Ohrfeige für das dubiose Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK): Eine vielbeachtete Klimastudie des Instituts ist von der Fachzeitschrift Nature zurückgezogen worden. Die dramatisch formulierte Arbeit hatte im April des vergangenen Jahres weltweit Schlagzeilen gemacht. Denn sie hat den wirtschaftlichen Schaden des sogenannten Klimawandels bis 2049 auf 38 Billionen Dollar beziffert und sprach von einem globalen Einkommensverlust von 19 Prozent im Vergleich zu einer Welt ohne sogenannte Erderwärmung. Selten haben die Potsdamer so stark die Klimapanik-Pauke geschlagen.
Doch die Arbeit hatte einen Schönheitsfehler: Sie war falsch. Fachkollegen fanden in den folgenden Monaten gravierende methodische und datenbezogene Fehler. Und jetzt hat die Fachzeitschrift Nature die Studie zurückgezogen wegen fehlerhafter Daten, fragwürdiger Modellannahmen und massiver Übertreibungen. Für das Potsdam Institut, das seit Jahren mit dramatischen Szenarien die Umweltpolitik beeinflusst, ist das ein schwerer Schlag.
Kritiker sprechen von einer Kommunikationsstrategie, die Alarm statt Analyse produziert. Denn mit hochkomplexen Modellen lassen sich beeindruckende Zahlen erzeugen, aber eben auch Fehler, die ganze Weltbilder ins Wanken bringen können. Und genau das ist nun geschehen. Fehlstatistiken aus einem einzigen Land reichten aus, um globale Schadenssummen ins Rutschen zu bringen. Das Potsdamer Institut versuchte, die Kritik erst wegzuwischen und dann mit einer Korrektur abzufedern.
Vergeblich. Diese Affäre reiht sich ein in eine breitere Debatte über die Qualität und Verlässlichkeit von sogenannten Klimamodellen. Und sie führt direkt zu einem Fachgebiet, das in den letzten Jahren erstaunlich an Bedeutung gewonnen hat: die Dendrochronologie. Während nämlich große Klimamodelle oft mit hunderten Variablen, Annahmen und Rechenoperationen arbeiten, von denen jede einzelne Unsicherheit erzeugt, folgt die Dendrochronologie einem komplett anderen Prinzip: Sie misst, sie rekonstruiert, und sie liefert harte Daten aus der Vergangenheit.
Das neue Buch „3000 Jahre Klimaachterbahn“ zeigt eindrucksvoll, wie präzise Jahresringe dokumentieren, was in der Realität geschieht. Denn das Klima schwankte schon immer weit stärker, häufiger und auch abrupter, als viele heutige Modellstudien suggerieren.
Jeder Baum trägt sozusagen ein Archiv in sich, das keine Ideologie, keine Modelle und keine politischen Agenden kennt. Die Jahresringe der Bäume zeigen Warmzeiten, die produktive Hochkulturen ermöglichten, und Kälteperioden, die Hungersnöte und Migration auslösten.
Anhand sorgfältiger Analyse der Baumringe kann man ein sogenanntes Klimaarchiv erstellen. Während Klimamodelle zusammenbrechen können, wie wir jetzt gesehen haben, zeigt sich die Stärke empirischer Forschung dort, wo Messdaten statt Szenarien zählen.
Die Baumarchive zeigen Warmzeiten, Kälte, Krisen, Hunger, Perioden und extreme Wetterphasen und dies lange bevor der Mensch auf den Plan trat. Jeder einzelne Jahrring, den ein Baum im Laufe seines Lebens bildet, ist eine Momentaufnahme der Umweltsituation. Breite Ringe signalisieren optimale Wachstumsbedingungen, feucht, warm und reich. Schmale Ringe hingegen sind stumme Zeugen von Stressjahren, die durch extreme Trockenheit, Kälte oder Staunässe geprägt waren.
Durch die genaue Messung und Überlappung dieser Ringmuster können Klimaberichte von 9000 Jahren und mehr rekonstruiert werden. Diese tiefen Einblicke in vergangene Trocken- und Feuchtphasen sind ein unbezahlbarer Schatz für die Paläoklimatologie. Die Analyse zeigt, dass das Klima durch eine Vielzahl von Faktoren geprägt ist, wobei die Sonne als primärer Taktgeber eine Rolle spielt, die in der öffentlichen Debatte oft unterschätzt wird.
Man kann die klimatischen Prozesse nicht einfach auf eine isolierte Komponente wie zum Beispiel das CO2 reduzieren. Das Buch taucht in die faszinierende Welt der Dendrochronologie ein, jener naturwissenschaftlichen Disziplin, die nicht nur exakte Datierungen liefert, sondern auch fundamentale Fragen zur Steuerung unseres Klimas aufwirft. Einer der wichtigen Vertreter ist Burkhard Schmidt, der über 30 Jahre im Kölner Dendro-Labor der Kölner Universität über 50.000 Bäume analysiert hat. Das Buch erzählt seine Geschichte und beschreibt auch, wie er an „seine“ Hölzer gekommen ist.

3000 Jahre Klima-Achterbahn, 2. Auflage

18,00 

Burghart Schmidt und Holger Douglas

SKU: 13007-6-1
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